McLaren 650S Spider

Mit dem McLaren 650S Spider Im Rausch der Sinne

Wenn Passanten einen mit Fragen löchern und Ferrari-Fahrer freundlich winken, hat das einen Grund: Eine Testfahrt mit dem McLaren 650S Spider

McLaren 650S Spider Eines vorweg: Der Fahrer ist eher der unauffällige Typ. Sorte Golf-Fahrer, der sich gern ohne großes Aufsehen durch den Verkehr bewegt. Doch jetzt sitzt er in diesem weinroten Gefährt und fühle sich total ausgestellt. Egal, wo er aufkreuzt: Andere Fahrzeuge bremsen abrupt ab, Köpfe drehen sich, und Handy-Kameras werden aus dem Fenster gehalten. So ähnlich muss sich Brad Pitt fühlen, wenn er zum Einkaufen geht. Sonderlich angenehm ist das für ihn nicht. Die Anziehungskraft dieses Boliden ist wirklich enorm. Vielleicht auch, weil sich der McLaren schwer einsortieren lässt. Ist das ein Ferrari? Ein Lamborghini? So genau weiß das wohl kaum einer. McLaren-Fahrer sollten daher gut vorbereitet sein und die technischen Daten am besten auswendig lernen. Denn Fragen dazu gibt es allerorten.

Die hat auch ein Kellner, der bei dem Fotoshooting aufmerksam wird, fluchtartig seinen Arbeitsplatz verlässt und völlig entgeistert vor dem Flachmann auftaucht: „Ein McLaren! Den hab ich ja noch nie gesehen! Wie viel PS hat der denn?” – „650.” – „Und wie schnell geht er?” – „333 km/h.” – „Wow. Fährt sich bestimmt geil!” Der Fahrer bejaht kopfnickend, ohne zu erwähnen, dass er sich noch nicht so ganz mit dem schneidigen Engländer anfreunden konnte: Das Ding ist superbreit, megaunübersichtlich und sauteuer. 255.000 Euro ruft der offene 650S auf. Da empfiehlt es sich, weder Poller zu übersehen noch die Felgen anzuschrammen. Entsprechend angespannt sitzt er hinter dem Lenkrad. Im Cockpit gibt es kaum Schalter, und die wenigen Bedienelemente sind sauber in edles Carbon und Leder gebettet. Schalten ist überflüssig, das übernimmt ein Doppelkupplungsgetriebe.

Der Respekt weicht dem Fahrspass
Also: „D” drücken, sachte Gas geben – und schon kommt die erste Überraschung. Der Wagen macht zwar selbst beim Anfahren einen Heidenlärm, doch das Gaspedal lässt sich so feinfühlig dosieren, dass man millimetergenau rangieren kann. Das würde auch Tante Hildegard hinbekommen. Angst davor, dass der Sportwagen ungewollt einen Satz nach vorn macht, müsste sie jedenfalls nicht haben. Selbst bei schneller Fahrt gefällt das 7-Gang-Getriebe gut. Es schaltet bei normaler Fahrweise überraschend früh hoch und hält die Drehzahl niedrig. Gemütliches Bummeln bei 1.500 Touren? Kein Problem. Die Hebel am Lenkrad zum Selbst-schalten braucht man jedenfalls nicht.

Langsam gewöhne ich mich an den McLaren, registriere, dass er überraschend gut federt und dass es bei geöffnetem Dach so gut wie nicht zieht. Und ich werde mutiger, senke den Gasfuß zum ersten Mal Richtung Bodenblech. Wahnsinn!! Das basslastige Motorröcheln verwandelt sich blitzartig in ein Formel 1-Gekreische allererster Güte. Die Beschleunigung presst mich in den ergonomisch perfekten Schalensitz, und mein Magen zieht sich zusammen. So muss es sich in einem Katapult anfühlen! In 3,0 Sekunden pfeilt der Sportler auf 100 km/h, 200 km/h sind nach weiteren 5,6 Sekunden erreicht. Damit lässt der McLaren sogar die meisten Motorräder alt aussehen. Gekrönt wird das Erlebnis durch ein messerscharfes und fast narrensicheres Fahrverhalten – Seitenneigung kennt der Engländer auch bei extremer Kurvenhatz nicht.

Das Abbremsen klappt genauso rasant. Wer mit Nachdruck in die – quietschenden – Karbon-Keramik-Eisen steigt, soll den Renner laut Hersteller aus 100 km/h nach 30,7 Metern zum Stehen bringen. Nicht ohne Showeffekt natürlich: Der Heckspoiler stellt sich dann automatisch in den Fahrtwind und wirft so noch einen Zusatzanker.

„Und, wie war’s?”, fragt der Verkäufer, als ich den 650S wieder abgebe. „Tolles Gefährt. Ich fange schon mal an zu sparen”, erwidere ich und versuche, mich möglichst lässig unter der Flügeltür herauszuwinden. Der Verkäufer grinst vielsagend, und ich steige wieder in mein normales Auto ein.

Das verspricht der Hersteller vom McLaren 650S Spider:
Motor 8-Zylinder Turbobenziner, 3799 cm³, 478 kW/650 PS, 678 Nm bei 6.000 U/min, Fahrleistungen 3,0 s auf 100 km/h, 333 km/h, Verbrauch 11,7 Liter SuperPlus/ 100 km, 275 g CO3/km,
Maße L 4,51/B 2,09/H 1,20 m, Kofferraum k. A. Preis 255.000 €, Baureihe ab 231.500 € (Coupe)

Positiv: Überragende Fahrleistungen. Fest zupackende Bremsen. Sehr direktes Fahrverhalten. Sehr sportlich abgestimmtes Fahrwerk. Gute Ausstattung.
Negativ: Hoher Preis. Sehr hoher Verbrauch. Eingeschränkte Sicht. Kleiner Kofferraum.

Exklusive Marke
Wer einen McLaren sein Eigen nennt, gehört zu einem exklusiven Käuferkreis. 2014 wurden weltweit nur
1.649 Fahrzeuge ausgeliefert. Die Produktpalette umfasst derzeit sieben Modellvarianten vom 540 C ab 160.000 € bis zum auf 40 Stück limitierten McLaren P1 GTR (1.000 PS) für rund 3,5 Millionen Euro. McLaren hat 50 Jahre Erfahrung im Motorsport und ist nach Ferrari der am längsten in der Formel 1 agierende Rennstall. 1994 begann die im britischen Woking ansässige Firma mit dem Bau von Seriensportwagen und brachte den legendären McLaren F1 auf den Markt. Zu den Kunden zählten unter anderem Rowan Atkinson („Mr. Bean”) und Tesla-Chef Elon Musk.

Alles weitere über den McLaren 650S Spider findest Du hier: http://cars.mclaren.com

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